Anzeichen für Ballack-Wechsel verdichten sich
Bald in Madrid vereint? Michael Ballack und Ottmar Hitzfeld (r.)
München - Die Anzeichen verdichten sich, dass Michael Ballack den FC Bayern München im Sommer in Richtung Real Madrid verlassen wird.
Nach entsprechenden Berichten aus Spanien will auch der Kölner "Express" "aus sicherer Quelle" erfahren haben, dass der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach der WM ein "Königlicher" wird.
Demnach werde der 29-Jährige im Januar einen Vierjahresvertrag unterzeichnen, der ihm mehr als 50 Millionen Euro einbringen soll. Darauf habe man sich bereits am vergangenen Wochenende geeinigt.
Berater dementiert Einigung und bestätigt Anfragen
Ballacks Berater Michael Becker hatte eine Übereinkunft dementiert, "ernstzunehmende Anfragen" aber bestätigt - auch von Real. Fixiert werden könnte eine Einigung nach Fifa-Regularien ohnehin frühestens am 1. Januar.
Die sportliche Talfahrt der "Königlichen" mit der 0:3-Heimpleite gegen den Erzrivalen FC Barcelona als Tiefpunkt hat offenbar zu dem Angebot an den deutschen Topstar geführt. Mit neuem Cheftrainer soll in der nächsten Saison eine neue Real-Mannschaft um David Beckham und Ballack aufgebaut werden.
Vogts: Real und ManU haben seit Jahren Interesse
Auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts weiß aus eigenen Gesprächen mit Klubverantwortlichen, dass sowohl der spanische Rekordmeister als auch Manchester United den Bayern-Akteur verpflichten wollen.
"Interesse besteht bei beiden Klub, aber schon seit einigen Jahren", sagte der DSF-Experte im Gespräch mit Sport1.de. ManU will den Deutschen als Ersatz für den kürzliche gefeuerten Roy Keane holen.
Allerdings soll Ballack kein Interesse mehr an der Offerte aus England besitzen, da ihm die sportliche Substanz der Mannschaft zu gering erscheint. Die "Galaktischen" aus Madrid dagegen sind für jeden Fußballer ein Ziel, siehe Zidane, Beckham, Ronaldo etc.
Auch Stielike geht von Real-Angebot aus
"Ich glaube schon, dass Real ihn unbedingt haben will. Dort läuft es ja nicht, daher werden sie sicher Anstrengungen unternehmen, ihr Team zu verstärken", meint Uli Stielike, der sich im spanischen Fußball auskennt.
Der heutige DFB-Coach war von den bisher fünf Deutschen bei den "Königlichen" (neben Netzer, Breitner, Schuster, Illgner) derjenige, der sich dort am längsten durchsetzen konnte. Acht Jahre spielte er in Madrid.
"Rolle ist nicht einfach übertragbar"
Einen Rat will er Ballack, der unter Erich Ribbeck und Stielike 1999 sein erstes Länderspiel absolvierte, aber nicht geben. "Das muss jeder mit sich ausmachen. Tatsache ist, dass seine Rolle bei Bayern München nicht so einfach auf einen anderen Verein übertragbar ist", sagte Stielike Sport1.de.
"Und gerade in der jetzigen Situation wird es für ihn bei Real nicht einfach werden. Aber ich traue ihm auf jeden Fall zu, sich dort durchzusetzen. Denn er ist der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt."
Ähnlich äußert sich Vogts: "Das muss Michael Ballack ganz allein entscheiden. Es wäre wichtig für die Bundesliga, wenn er beim FC Bayern bliebe. Andererseits ist es schön für den deutschen Fußball, dass wir einen Spieler haben, der in der ganzen Welt gefragt ist."
Rücknahme des Bayern-Angebots führte offenbar zum Umdenken
Dass er diesem Werben nun vermutlich auch nach gibt, liegt offenbar auch an der spektakulären Rücknahme des Bayern-Angebots auf der Jahreshauptversammlung. Das Vorpreschen von Karl-Heinz Rummenigge und der anschließende Jubel der Anhänger soll zum Umdenken bei Ballack geführt haben.
Scheitern könnte der Wechsel in die spanische Hauptstadt noch am neuen Chefcoach. Neben Paul Le Guen, Rafael Benitez (zurzeit Liverpool) und Juve-Trainer Fabio Capello soll auch Ottmar Hitzfeld ein Kandidat sein. Dann dürfte der Doppel-Wechsel aus Deutschland perfekt sein.
Hitzfeld Kandidat auf Luxemburgo-Nachfolge
Der Ex-Coach der Bayern hatte zuletzt erklärt, dass er seit dem Ende seiner Tätigkeit in München schon ein Angebot von Real vorliegen hatte und dass er nach der WM wieder einen Klub betreuen will. Das aktuelle Gerücht dementierte er nicht, sondern wollte es nicht kommentieren.
Hinzu kommt, dass der angebliche Favorit Capello kein Interesse an einer Rückkehr zeigt. "Ich habe bis 2007 Vertrag bei Juventus und ich bin hier sehr zufrieden", sagte er.
"Außerdem habe ich schon mehrfach gesagt, dass ich keine aufgewärmte Suppe mag. Es ist sehr schwierig, an einen Ort zurückzukehren, an dem ich schon mal war."
Nur Magath bleibt gelassen
Einzig Hitzfeld-Nachfolger Felix Magath gibt sich nach außen hin gelassen. "Ich bin überhaupt nicht aufgeschreckt über die Gerüchte, dass Michael Ballack nach Madrid wechselt", sagte der FCB-Coach nach dem 4:0 gegen Rapid Wien.
"Das gleiche hatten wir schon vor Wochen mit Manchester und in den nächsten Wochen kommt dann irgendwann vielleicht auch noch Viking Stavanger ins Gespräch. Da ich keinen Einfluss darauf habe, kümmere ich mich nicht darum."
Seine Vorgesetzten beim Deutschen Meister stört hingegen ganz gewaltig, dass sie beim Ballack-Poker derzeit nur Zuschauer sind.