Ein interssanter Thread im Eintr8-Forum:
Hier der link:
http://www.eintracht.de/fans/forum/1/11100700/#...
Dort wird einiges zu "Geldbeschaffungsmaßnahmen" geschrieben - Viel spass beim lesen...
-------------------------------------------------- -------------------------------------------------- -----------
Hallo junkdeluxe,
Du hast vollkommen recht; und ich beglückwünsche Dich zu Deinem Gedächtnis.
Was ich zum Thema BVB-Lizenz hier im Forum geschrieben habe, weiss ich nicht mehr - ich glaube, es war gar nicht soooo viel. Jedoch habe ich in der Fan geht vor, Nr. 133 (April 2005), einen sehr ausführlichen Bericht veröffentlicht (Überschrift: "Die 'Lex Dortmund' - der Lizenzskandal von Almacil"; Untertitelzeile: "Wie die DFL den Mythos vom deutschen Lizenzierungsverfahren zerstörte" ). Diesem Artikel war übrigens eine genaueste Recherche durchaus "fanzine-untypischen" Ausmasses vorausgegangen. In aller Bescheidenheit darf ich anmerken, dass der Artikel auch außerhalb der typischen Fgv-Leserschaft kursierte und einiges Erstaunen hervorrief, was "so ne Fanzeitung da" herausgefunden und geschrieben hat. Meines Wissens nach gibt es den Artikel aber nicht online.
Klar ist jedenfalls, dass dem BvB die Lizenz für 2004/05 "eigentlich" (d.h. auf der Grundlage der geltenden Bestimmungen der Lizenzordnung) niemals hätte erteilt werden können und dürfen.
Sodann mal kurz etwas Grundsätzliches zum hier diskutierten Thema "Spinnen die eigentlich alle in der Liga?" (leider habe ich im Moment so wenig Zeit, dass ich mich in der Regel nur lesend, kaum aber einmal aktiv an den derzeit so erstaunlich zahlreichen "niveauvollen" threads hier beteiligen kann):
Die Liga "spinnt" schon seit Jahren. Fast alle "ambitionierten" Vereine haben schon seit langem in der ein oder anderen Weise ihre Zukunft verpfändet (bildlich gesprochen, nicht unbedingt im streng juristischen oder bilanztechnischen Sinn). Und zwar in der Weise, dass künftige Einnahmen "irgendwie" vorzeitig zu Geld gemacht wurden.
Beliebt sind dabei Konstruktionen, die sich bilanztechnisch nicht negativ auswirken. Die Zeiten "normaler" Darlehen sind weitgehend vorbei, denn diese müssen als Passiva gebucht werden. Besser sind da bspw. "Agenturverträge": Ich beauftrage die Agentur xy damit, meine Eintrittskarten zu vertreiben (oder meine Fernsehrechte zu handeln). Die Agentur zaht eine "signing fee" - gibt mir also gleich cash auf die Hand, für welches ich mich auf dem Transfermarkt nach Granaten umsehe, oder für welches ich mit meinen eigenen "Granaten" verlängere - und bekommt im Gegenzug eine "Provision" von x % meiner entsprechenden Einnahmen zugesichert. Konsequenz: Ich gebe heute Geld aus, das ich erst in Zukunft verdienen werde - der "Agenturvertrag" ist aber kein Darlehen und deshalb aus der Bilanz nicht ersichtlich.
Das älteste mir bekannt Beispiel hierfür: Um damals die Vertragsverlängerung mit den seinerzeit von Fans und Medien vergötterten Dirk Lottner und Christian Timm (!) hinzubekommen, hat der 1. FC Köln, was heute kaum einer noch weiß, schon vor Jahren Teile seiner zukünftigen Zuschauereinnahmen nach dieser Methode abgetreten. Der FC zahlt heute noch dafür ab...
Ebenso beliebt wie absurd ist der entsprechende Deal mit TV-Rechten: Ich beauftrage die Agentur xy "exklusiv" damit, meine TV-Rechte zu vermarkten. Ich sichere der Agentur eine "Provision" in Höhe von x % meiner TV-Einnahmen zu. Weil es sich um einen Exklusivvertrag handelt, zahle ich die "Provision" auch für den Fall, dass ich die Dienste der Agentur nicht in Anspruch nehme. Da die TV-Rechte immer noch zentral von der DFL vermarktet werden, wird die Agentur tatsächlich nie tätig. Kriegt aber gleichwohl die "Provision"... Auch hier ist die anfängliche "signing fee" nichts anderes als ein Vorgriff auf die Zukunft.
Der Erfindungsreichtum in der Liga für derartige Konstrukte ist enorm. Man kann ja auch Tochtergesellschaften gründen, auf die bestimmte Rechte übertragen werden. Nun können diese Tochtergesellschaften entweder Darlehen aufnehmen oder Gesellschaftsanteile verkaufen etc. Legendär sind die 16 (!) Tochtergesellschaften von Schalke 04. Aber auch der HSV soll seinen momentanen Kraftakt (van der Vaart, de Jong, Ailton etc.) vor allem dadurch finanziert haben, dass er seine Einnahmen aus dem Verkauf der Logenplätze in der AOL-Arena durch entsprechende Konstrukte und Konstruktionen "vorfinanziert" hat.
Am Beispiel des HSV kann man auch wunderbar exemplarisch die Chancen und Risiken eines solchen Vorgehens beleuchten: Sollte der HSV dadurch zu einem Dauergast in der CL werden, hätte sich es für ihn gelohnt. Die zusätzlichen CL-Millionen würden das, was aus den künftigen Logenerlösen wegfällt, bestimmt mehr als kompensieren. Soweit die Theorie...
Die Praxis sieht m.E. weniger hübsch aus: Die Logenerlöse werden fehlen, wenn es darum geht, einen CL-tauglichen Kader zusammenzuhalten bzw. auszubauen. Irgendwann wird man die Quali verpassen, und steht dann mit einem teuren Kader da. Keine CL-Millionen, keine Logenerlöse - da werden Verkäufe zur Pflicht (oder weitere Verschuldung).
Wie das mit dem sportlichen Substanzverlust weitergeht, hat bereits der VfB vorexerziert: Nachdem die "jungen WIlden" die CL erklommen hatten, waren Begehrlichkeiten geweckt worden. Die Hildebrands, Hinkels, Kuranyis etc. ließen sich die neuen Verträge fürstlich (d.h. CL-gemäß ) entlohnen. Dann kam, was kommen musste: CL verpasst, VfB kaputt: Hleb weg, Bordon weg, Kuranyi weg, Hinkel in der Krise, wenig Glück und noch weniger Sachkompetenz bei der Teamzusammenstellung (Trap als Trainer, Tomasson) - macht summa summarum einen schnöden Mittelfeldplatz weit von der Spitze entfernt, und kaum mehr finanziellen Spielraum.
Kurzum: Ich glaube nicht, dass auf lange Sicht die branchenüblichen (Vor-) Finanzierungsmodelle dauerhaften Erfolg versprechen. Sie legen m.E. nur den Grundstein für (bestenfalls) kurzfristigen Erfolg und (ziemlich sicher absehbar) mittelfristige Finanznot.
Ich bin grundsätzlich auch ein Anhänger und Verfechter der von Jermainator an verschiedenen Stellen hier eloquent dargelegten These, dass ein seriös wirtschaftender Verein wie die Eintracht eigentlich "nur" abwarten muss, bis die gescheiterten Hasardeure von heute in den oberen Tabellenregionen Platz machen. Mit einer Einschränkung allerdings: Die große Gefahr ist, dass die derzeit noch von HSV, Schalke, Hertha, BvB belegten Positionen (Platz 3-7) dann von anderen Vereinen eingenommen werden, die ebenfalls mit aller Macht nach oben wollen (und zu entsprechenden Vorfinazierungs-modellen greifen). Ohne dafür derzeit greifbare Anhaltspunkte zu haben: so etwas würde ich bspw. Vereinen wie Mönchengladbach, Hannover, Köln (wenn sie mal wieder hochkommen) etc. zutrauen. Hinzu kommt natürlich noch die wettbewerbsverzerrung der Konzernteams (LEV und WOB ), die mehr oder weniger ungeniert Millionen verbraten dürfen, die sie im Spielbetrieb niemals einnehmen können.
Gleichwohl schätze ich mich absolut glücklich, mit HB einen Mann an der Spitze unserer Eintracht zu wissen, der solche Vorfinanzierungs-Modelle gar nicht mag und will (auch bei der Unterzeichnung des Sportfive-Vertrags hat die Eintracht ja zugunsten der künftigen Einnahmen auf jede Art von signing fee verzichtet). Und der genau und gerade dafür die volle Rückendeckung im Aufsichtsrat und im Präsidium des e.V. hat.
Beste Grüße
aquila
-------------------------------------------------- ---------------------------------------------
Quelle
http://www.eintracht.de/fans/forum/1/11100700/#...