Musik in meinen Ohren
*Der Abgesang des FC Bayern*
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Stuttgart (dpa) - Die Kommentare von Trainer Ottmar Hitzfeld und Kapitän
Oliver Kahn steckten voller Resignation und Ratlosigkeit, Manager Uli
Hoeneß stapfte mit zusammengekniffenem Mund wortlos davon und Franz
Beckenbauer verteilte aus der Ferne verbale Backpfeifen.
Nach dem blamablen 0:2 (0:2) beim VfB Stuttgart im «Endspiel» um einen
Champions-League-Platz herrscht beim FC Bayern München
Beerdigungsstimmung. Angesichts von fünf Punkten Rückstand auf den
Tabellendritten der Fußball-Bundesliga steht nun der Neuaufbau im
Mittelpunkt der Diskussionen. «Nach diesem Auftritt habe ich keine Lust
mehr auf Durchhalteparolen», sagte selbst Kahn.
Die Partie vor 55 000 Zuschauern im ausverkauften Daimlerstadion war der
Abgesang auf eine Mannschaft, die längst an Größe verloren hat und
dringend ein neues Gesicht benötigt. Zehn Tage nach dem Aus in der
Champions League gegen den AC Mailand schien jeglicher Kampfgeist bei
den Münchnern erloschen. Und nach zehn Jahren in der Champions League
müssen sich die Bayern nun wohl mit der UEFA-Cup-Teilnahme begnügen. «Es
ist kein Geheimnis, dass es einen Schnitt geben wird», meinte Hitzfeld
und räumte ein: Es fehle eine «gewisse Qualität in der Mannschaft».
Der Umbruch wird auch für den Rückkehrer auf der Trainerbank eine ganz
besondere Herausforderung. Beckenbauer hat Hitzfeld jedoch das Vertrauen
ausgesprochen. «Ich traue dem Ottmar zu, mit dem FC Bayern diese
Erneuerung hinzubekommen. Er hat die Kraft, das über einen längeren
Zeitraum umzusetzen», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende in einem
Interview mit der «Welt am Sonntag».
Für die Kritiker zeigte Beckenbauer sogar Verständnis: «Ich freue mich
darüber, dass sie uns jetzt ein bisschen in die Pfanne hauen. Das ist
eine Chance. Da kannst du dich als Verein erneuern und sagen: So, jetzt
packen wir es wieder.» In den vergangenen Jahren sei alles so
dahingeplätschert beim Rekordmeister, es fehle die «Beißermentalität».
Beckenbauer forderte auch einen Spielertypen, der eine Partie lenken
kann. Die Mittelfeld-Stars Mark van Bommel, Hasan Salihamidzic, Roque
Santa Cruz und Owen Hargreaves boten keine internationale Klasse: Sie
standen klar im Schatten des glänzend aufgelegten 19-jährigen Sami
Khedira, des mexikanischen «Laufwunders» Pavel Pardo sowie der deutschen
Nationalspieler Roberto Hilbert und Thomas Hitzlsperger.
Nach den beiden Gegentreffern durch Cacau (23./25. Minute), der beim
ersten Tor von Christian Lell angeschossen wurde, war Kahn der Kragen
geplatzt. Er feuerte Ball und Schirmmütze weg und sah von Schiedsrichter
Markus Mark Gelb. «Wegen Zeitspiels. Wegen Zeitspiels beim Stand von
0:2», wie der 37-Jährige später kopfschüttelnd bemerkte. Genauso
fassungslos war der Schlussmann über den Auftritt seiner Mitspieler.
«Die erste Halbzeit war fatal. Das ist mir ein absolutes Rätsel. Ich
habe keine Erklärung dafür, dass man sich praktisch abschlachten lässt»,
schimpfte er. «Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, jeder spielt vor
sich hin. Das war keine Mannschaft.»
Dagegen zeigten sich die jungen Stuttgarter wieder als tolles Team, das
drei Tage nach dem Einzug ins DFB-Pokalfinale die «Woche der Wahrheit»
endgültig zu einem Festival machte. «Es ist unglaublich, was sie
abliefern», lobte Teammanager Horst Heldt seine Spieler. Deren
Freudengeheul hallte nach dem Abpfiff durch die Katakomben. Weil er die
Profis feiern lassen wollte, richtete Trainer Armin Veh seine mahnenden
Worte erstmal nur an die Besucher der Pressekonferenz: «Bei aller
Euphorie müssen wir uns darauf konzentrieren, dass wir noch vier schwere
Spiele haben.»