ich schau mal vielleicht find ich noch was von den güterslohern
da isses
Sitzenbleiber droht Absturz
Oberligist FC Gütersloh auch in Münster ideenlos und unproduktiv
VON WOLFGANG TEMME
Münster. Der FC Gütersloh geht in der Fußball-Oberliga ganz schweren Zeiten entgegen. Auch im dritten Saisonspiel bot die Mannschaft eine trostlos schwache Vorstellung in der Offensive und eine beängstigend blutleere Teamleistung. Dass es beim Top-Favoriten Preußen Münster nur eine 0:2-Niederlage setzte, täuscht nicht darüber hinweg, dass es für den FCG in der jetzigen Verfassung ausschließlich darum geht, die Versetzung in die neue NRW-Liga zu schaffen und nicht als Sitzenbleiber in die Verbandsliga abzustürzen.
Münsters Keeper Michael Joswig musste lediglich einen Gütersloher Ball parieren – einen 24-Meter-Freistoß von Dennis Klöckner in der 77. Minute. Das sagt schon alles über die Harmlosigkeit des FCG. Wie unproduktiv und hilflos die Bemühungen aus dem Spiel heraus waren, sieht man auch daran, dass nur zwei ungefährliche Torschüsse erfolgten: Der Versuch von Erdem Cömert (71.) landete zwei Meter neben dem Lattenkreuz, bei Mahir Savranlioglu Versuch (47.) waren es zehn Meter. Dass alle drei Szenen der 2. Halbzeit entstammen, war kein Zufall. Hier wurden die Gütersloher immerhin etwas aktiver, ohne die Gastgeber auch nur vor Probleme stellen zu können.
In der 1. Halbzeit düpierten die Münsteraner die Gäste. Immer wieder kombinierten sie den Ball rasant aus der eigenen Hälfte nach vorn, wobei Mehmet Kara – vor der Saison auch vom FCG umworben – reihenweise Traumpässe auf Michael Erzen spielte. Der laufstarke Mittelstürmer hätte die 1:0-Pausenführung ganz allein auf 4:0 erhöhen müssen. Erst ließ er den von hinten grätschenden Max Heinrich im letzten Augenblick noch seinen vorausgegangenen Stellungsfehler wiedergutmachen (15.). Dann gestatte er Heinrich die Rettungstat zwei Meter vor der Torlinie, als Keeper Alexander Kuschmann bereits ausgespielt war (36.). Und schließlich schoss Erzen den Ball (38.) aus acht Metern freistehend über das Tor, als eine von Savranlioglu verpatze Gütersloher Freistoßflanke die Münsteraner zum Konter eingeladen hatte. Nachdem ein Erzen-Treffer in der 41. Minute aus dem Abseits erfolgte, war der Halbzeitpfiff für den FCG die reinste Erlösung. Besser gelungen als dem Preußen-Sturm war die Chancenverwertung bis dahin nur dem als Verteidiger nach vorn gerückten Kapitän Orhan Özkara. Er köpfte in der 17. Minute eine Flanke von Kurtulus Öztürk ein.
Überraschend spielte der FCG mit der gleichen Elf wie bei der 0:1-Auftaktniederlage gegen Hamm – also mit Dennis Klöckner als Linksaußen in der Viererabwehrkette. Der 20-Jährige hatte sich fünf Tage nach der Richtung seines gebrochenen Nasenbeins wieder mit einer Maske zur Verfügung gestellt, obwohl nach zwei Wochen ohne Training die hundertprozentige Fitness fehlte. Völlig wirkungslos blieb eine interne Umstellung in der Offensive: Gazwan Avakhti stürmte (wie in der Vorsaison) über links und Linksfuß Mahir Savranlioglu über rechts. Selbst als der die Positionen nach einer halben Stunde mit dem zentral-offensiv beginnenden Giancarlo Fiore tauschte, wurde das von Zaghaftigkeit, Zweikampfschwäche, Abspielfehlern und einer erschreckenden Ideenlosigkeit geprägte Gütersloher Spiel nicht belebt.
Das 2:0 (85.) durch Uwe Seggewiß zerstörte die letzten, unberechtigten Gütersloher Hoffnungen auf ein Geschenk und nahm den Münsteranern die Sorge vor einem ähnlichen Schock wie beim 1:1 in Wiedenbrück am Mittwoch. Nur weil da der FCG in Erkenschwick zu einem äußerst glücklichen 1:0-Sieg gekommen war, steht er in der Tabelle nicht tiefer als Rang 14. Doch auch der führt am Ende ins sechstklassige Niemandsland des deutschen Fußballs.
Pr. Münster - FC Gütersloh 2:0
Preußen Münster: Joswig – Öztürk, Matlik, Özkara, Wissing (88. Endres) – Ivicevic, Seggewiß – Lauretta, Kara, Wassey (69. Magos) – Erzen (79. Scherping).
FC Gütersloh: Kuschmann – Eggert (82. Barton), Heinrich, Eckel, Klöckner – Burger, Brinkmann – Savranlioglu, Fiore, Avakhti (65. Cömert) – Knappmann.
Zuschauer: 3.600
Schiedsrichter: Dominick Nowak (Kirchhellen) hatte eine erstaunliche Quote von Freistoßentscheidungen für den FC Gütersloh. Kaum jemand hätte sich beschwert, wenn er in der 87. Minute nach einer Attacke gegen Lauretta auf Elfmeter für Münster entschieden hätte.
Gelbe Karten: Wissing (Foul) – Kuschmann (Meckern).
Eckenverhältnis: 7:3 (4:2)
Chancenverhältnis: 10:1 (5:0)
Tore:
1:0 (17.) Orhan Özkara; auf dem linken Verteidigungsflügel lassen sowohl Gazwan Avakhti als auch Dennis Klöckner eine ungehinderte Flanke des Münsteraner Außenverteidigers Kurtulus Öztürk zu. In der Mitte ist Özkara beachtlicherweise vor Christian Knappmann mit dem Kopf am Ball. FCG-Torhüter Alexander Kuschmann ist chancenlos.
2:0 (85.) Uwe Seggewiß; einen von Mehmet Kara getreteten Eckstoß verlängert der im kurzen Torraumeck hochsteigende Ivica Ivicevic per Kopf direkt auf Alex Kuschmann. Der FCG-Torhüter lässt den Ball – offenbar verunsichert durch einen heranspringenden Münsteraner – von den Händen abklatschen. Seggewiß reagiert am schnellsten und stubst die Kugel über die Linie.