War das der perfekte Fußball?
Souverän war es, deutlich war es auch - und so richtig schön natürlich. Der HSV servierte den 72 300 Zuschauern einen fußballerischen Leckerbissen. Der 3:0-Auswärtssieg des HSV bei Borussia Dortmund begeisterte aber nicht nur die Hamburger, er nötigte dem Gegner auch eine gehörige Portion Respekt und Anerkennung ab. "Der HSV hat uns eine Vorführung gegeben", stellte BVB-Trainer Thomas Doll tief enttäuscht fest. Die Frage war: Hat der HSV an diesem Abend den perfekten Fußball geboten?
Huub Stevens mochte sich nicht zu einem "Ja" durchringen. Er sagte: "Perfekter Fußball sieht noch etwas anders aus, aber wir haben sehr gut gespielt. Was natürlich auch am Gegner lag, aber wir haben auf die Schwäche der Borussia eine hervorragende Antwort gegeben. Wir waren so dominant, dass andersherum Dortmund uns eine Antwort darauf schuldig geblieben ist." Der HSV-Trainer gab dann immerhin zu: "Bis auf unsere Chancenverwertung bin ich zu 99,9 Prozent zufrieden." Und er ergänzte noch: "Was wir heute gezeigt haben, das ist das, was in uns steckt - trotz aller Umstellungen, die wir vor allem im Abwehrbereich vornehmen mussten."
Guy Demel, Vincent Kompany, Thimothee Atouba und Collin Benjamin fehlten diesmal, und trotz allem machte sich das nicht nachteilig bemerkbar. Im Gegenteil, beim HSV griff ein Rädchen ins nächste. Die Mannschaft stand kompakt, verschob hervorragend, spielte immer Fußball, baute klug (und nicht selten direkt) von hinten auf, fand immer den freien Mann, kombinierte sicher und ideenreich, war läuferisch stark und nutzte die Freiräume, die die Dortmunder ließen, mit einem sehr variablen Spiel. Eben perfekter Fußball?
Abwehrspieler Joris Mathijsen urteilte: "Das war nahezu perfekt von uns. Wir haben heute sehr gut gespielt - wenn wir immer so spielen, dann gewinnen wir jedes Spiel. Das war eines unserer besten Spiele, und unter der Regie von Stevens sowieso."
Etwas gegenteiliger Meinung war Landsmann und Teamkollege Nigel de Jong, der gemeinsam mit David Jarolim ein Duo im Mittelfeld stellt, das zurzeit ganz sicher auf dem Niveau internationaler Klasse spielt. De Jong befand: "Den perfekten Fußball gibt es nicht. Wir haben gut gespielt, aber man kann immer noch besser spielen." Dann verriet der Niederländer, wie das gehen könnte: "Wenn wir immer so kompakt stehen, wird es für jeden Gegner schwierig, gegen den HSV zu spielen."
Einer, der das HSV-Spiel stets ein wenig kritischer betrachtet, ist Torwart Frank Rost. Diesmal aber lobte der Routinier sein Team und strahlte dabei: "Heute haben wir ein gutes Spiel gemacht, vor allem erste Halbzeit. Dortmund hat wohl nicht damit gerechnet, dass wir sie vorne attackieren."
Für Rafael van der Vaart war es der erste Auftritt in Dortmund - und dann gleich ein 3:0-Sieg! Der HSV-Kapitän: "Nach der ersten Halbzeit und unserer 2:0-Führung war das Spiel schon zu Ende." Fünf Saisontore hat van der Vaart bereits erzielt, doch das stellt er nicht in den Mittelpunkt. Er sagt viel mehr: "Wir haben jetzt schon mehr Punkte als in der ganzen Hinserie der vergangenen Saison, das ist doch was!"
Aber jetzt kommt Wolfsburg, am Sonnabend geht es in Hamburg gegen den unbequemen VfL. Joris Mathijsen: "Alle erwarten einen Sieg von uns, dabei kann in dieser Liga jeder jeden schlagen, siehe Hertha gegen Rostock. Aber diese Saison haben wir viel mehr Vertrauen zu Hause. Ich weiß nicht, warum, aber es läuft eigentlich gut daheim, seit Stevens bei uns ist. So muss es bleiben."