Drei Vereine müssen in die Serie B
Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Florenz müssen wegen der Verwicklung in den italienischen Fußball-Skandal in die Serie B absteigen. Der mit angeklagte Spitzenverein AC Mailand bleibt nach einem Urteil des italienische Fußballverbandes (FIGC) zwar in der ersten Liga, kann aber wegen Strafpunkten dieses Jahr nicht an der Champions League teilnehmen. Außerdem werden Juventus die beiden letzten Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt, gaben die Richter nach längerem Verfahren am Freitagabend in Rom bekannt.
Anklage forderte noch härtere Urteile
Die Urteilsverkündung hatte sich zuletzt immer wieder verzögert. Die Sport-Tageszeitung "La Gazzetta dello Sport" hatte in seiner Freitag-Ausgabe bereits von dem zu erwartenden Urteil berichtet. Die Anklage hatte für den Rekordmeister Juventus den Abstieg in die dritte Liga (Serie C) oder in eine noch tiefere Liga gefordert. Neben Lazio und Florenz sollte auch der AC Mailand in die zweite Liga geschickt werden, hatte Chef-Ankläger Stefano Palazzi beantragt.
Großer Zeitdruck
In dem Verfahren herrscht erheblicher Zeitdruck: Nach dem Urteil in erster Instanz muss auch das Verfahren in zweiter Instanz rasch über die Bühne gehen, da bis Ende Juli die Teilnehmer für die europäischen Wettbewerbe gemeldet werden müssen.
Wohin gehen die Weltmeister?
Betroffen von der Entscheidung sind allein bei Juventus fünf Weltmeister: Gianluigi Buffon, Fabio Cannavaro, Gianluca Zambrotta, Mauro Camoranesi und Alessandro Del Piero. Letzterer hatte zwar schon vor Monaten beteuert: "Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht." Doch es ist kaum anzunehmen, dass diese Spieler ihr Gehalt auch in Zukunft vom italienischen Rekordmeister beziehen.
Wechselgerüchte
Die Defensivkünstler Zambrotta und Cannavaro werden bereits mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Dort wären sie mit ihrem bisherigen Juve-Coach Fabio Capello vereint. Bei Florenz steht derzeit noch Stürmer Luca Toni unter Vertrag. An ihm soll schon der FC Bayern Interesse bekundet haben. Auch die Lazio-Profis Massimo Oddo und Angelo Peruzzi dürften sich nach neuen Vereinen umschauen.
Juve-Manager ist Drahtzieher
Harte Strafen seien auch für einige der 26 weiteren Angeklagten vorgesehen, darunter der Hauptbeschuldigte und frühere Juve-Manager Luciano Moggi sowie Ex-Liga-Präsident Franco Carraro. Den Ermittlungen zufolge soll Moggi Kopf einer Mafia-ähnlichen Vereinigung gewesen sein. Zu seinen engsten Komplizen gehörte demnach Schiedsrichter Massimo De Santis sowie die Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Pierluigi Pairetto, die alle ebenfalls angeklagt sind.
62 Personen vernommen
Aufgeflogen war der Skandal, nachdem im Mai dieses Jahres Schiedsrichter-Absprachen ans Licht gekommen waren. Telefonate zwischen Moggi und Pairetto ließen auf systematische Manipulationen schließen, die insbesondere in der Saison 2004/05 den Ausgang von Spielen der italienischen Liga beeinflusst haben sollen. Insgesamt vernahmen die ermittelnden Staatsanwälte 62 Personen.