so leute, ich muss ja auch weiterhin über meinen superstar berichten:
Am Donnerstagmorgen hatte der Alltag Toni Kroos wieder eingeholt. Vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Spiel der Regionalliga-Mannschaft bei den Sportfreunden Siegen am Freitagabend schleppte der 17-Jährige artig die Getränkekisten zum Bus. Dass er aber zu höherem befähigt ist als zum Wasserträger, untermauerte Kroos bei seinem Bundesliga-Debüt am Mittwochabend gegen Energie Cottbus.
„Er ist ein Vollblutfußballer, er hat ein unheimliches Gefühl im rechten Fuß. Diese Präzision in seinen Flanken ist kein Zufall“, urteilte Bayer-Trainer Ottmar Hitzfeld über den Mittelfeldspieler, der beim 5:0 (0:0)-Erfolg gegen das Tabellenschlusslicht mit 17 Jahren, acht Monaten und 22 Tagen als jüngster Bayern-Spieler in der Vereinsgeschichte seinen Bundesliga-Einstand feierte.
Sehr viel Klasse
In der 72. Minute für Zé Roberto eingewechselt, fügte sich Kroos gleich nahtlos in das Spiel des Rekordmeisters ein und bereitete mit zwei sehenswerten Maßflanken auf Miroslav Klose die beiden Treffer zum 4:0 und 5:0 vor. „Er hat mitgespielt, als ob er schon immer mitgespielt hätte“, lobte Hitzfeld den Youngster und ergänzte: „Seine Flanken sind natürlich traumhaft, wie bei Mehmet Scholl früher, da ist schon sehr viel Klasse dabei.“
Wie bemerkenswert Kroos’ Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse war, beweist auch ein Blick in die Münchner Zeitungen vom Donnerstag. Erhalten eingewechselte Spieler üblicherweise erst dann eine Benotung, wenn sie vor der 60. Minute zum Einsatz kommen, bekam Kroos durchweg die Note zwei. „Eiskalt bei seinem Bundesliga-Debüt. Machte gleich zwei Scorerpunkte als Kloses Zulieferer. Klasse!“, so die „Abendzeitung“.
Noch zwei Jahre A-Jugend
Auch Nutznießer Klose fand ausschließlich lobende Worte für Kroos. „Wenn man sieht, was der im Training mit seinen jungen Jahren schon drauf hat, Hut ab. Der Junge steht vor einer großen Karriere“, meinte der Nationalstürmer über den gebürtigen Rostocker, der vor knapp zwei Wochen zum besten Spieler der abgelaufenen U17-Weltmeisterschaft in Südkorea gewählt wurde und eigentlich noch zwei Jahre bei den A-Junioren spielen dürfte.
„Er hat den Schwung aus der WM mitgenommen, er gibt Gas, es macht Spaß ihm zuzuschauen. Das ist echt ein Weltklassespieler“, sagte der mit acht Treffern Führende in der Torschützenliste weiter. Allerdings warnte Klose auch davor, Kroos allzu sehr in den Himmel zu heben. „Sonst hebt er vielleicht ab!“ Das sieht auch Hitzfeld so. Auf die Frage, wie er denn Kroos schützen werde, antwortete er lediglich: „Indem wir nicht über ihn sprechen.“
Großartige Perspektiven
Ein bisschen sprach Hitzfeld aber dann doch noch über den technisch versierten Spielmacher, nicht ganz ohne einen Anflug von Schwärmerei. „Er ist eines der größten deutschen Talente, das ist ja nichts Neues. Ich freue mich für ihn, dass er einen guten Einstand in der Bundesliga hatte. Er hat großartige Perspektiven“, so der „General“, der ankündigte: „Er wird in der Saison noch einige Spiele bei uns machen.“
Vorrangig aber soll er bei der Regionalliga-Elf von Hermann Gerland zum Einsatz kommen und mithelfen, die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga zu schaffen. Den nächsten Schritt dazu könnte die Mannschaft am Freitagabend in Siegen machen. Mit Kroos als Spielgestalter, als Vorbereiter, als Vollstrecker - und als Wasserträger.